Klöppeln – altes Handwerk mit großer Geschichte

Spitze zu klöppeln, oder zu „kleckeln“ wie man in Südtirol sagt, ist eine eigenständige große Kunst. Dabei werden Leinengarn-Fäden auf dem Klöppelkissen, dem so genannten „Pinggl“ festgesteckt. An den Enden der Fäden hängen die „Klöppel“. Das sind kleine Garnspulen, mit deren Hilfe in mühevoller stundenlanger Kleinarbeit die Fäden eingedreht und verknotet werden, wodurch ein Muster entsteht. Früher wurde in Südtirol besonders im Winter von Frauen eifrig geklöppelt, um zum Familieneinkommen beizutragen.

Feinste Spitzenware aus regionaler Handarbeit

Schon 1830 wurde es in „Schütz’s Allgemeiner Erdkunde“ erwähnt: „Das klöppeln der Zwirnspitzen betreiben im Winter 50 Weibspersonen im Grödnerthale (…); sie verwenden dazu Linzerzwirne und verkaufen ihre Spitzen durch hausirende Grödnerinnen in Tirol. Auch im Landgerichte Taufers und in der Gegend von Riva werden grobe Spitzen geklöppelt.“ Im Ahrntal hat das Klöppeln eine ganz besondere Bedeutung. Ende des 19. Jahrhunderts wurde dort nämlich das Kupferbergwerk geschlossen, nachdem 500 Jahre lang Erz abgebaut worden war. Für zahlreiche Familien brachen harte Zeiten an, denn sie hatten ihre Einkommensquelle verloren. Es waren die Frauen, die in der Not auf die Idee kamen, aus dem Klöppeln einen Beruf zu machen, um ihre Familien zu erhalten. Drei besonders talentierte Klöpplerinnen wurden nach Wien geschickt, um sich dort richtig gut ausbilden zu lassen. Darauf wurde eine Klöppelschule eingerichtet, in der die Frauen der Region dieses Kunsthandwerk lernen konnten. Auch Männer nahmen dann das Klöppeln auf. Spitzenware aus dem Ahrntal gelangte bald zu internationalem Ruhm. Obwohl es bereits maschinell gefertigte Spitze gab, wurde die Handarbeit aus Südtirol in Modejournalen beworben, die Aristokratie des Habsburgerreiches deckte sich ebenfalls hier mit Spitze ein. Großer Wohlstand kehrte leider dennoch nicht ein, denn die Frauen erhielten nur einen relativ kleinen Stundenlohn für die aufwendige Arbeit, den sie sofort für Lebensmittel und dringend benötigte Waren für den Alltag ausgeben mussten.

Heute gibt es nicht mehr sehr viele Menschen, die sich auf das Klöppeln verstehen. Dass das Wissen überlebt hat, ist Menschen zu danken, die bewusst Wert darauf gelegt haben, diese Tradition zu pflegen und lebendig zu erhalten. Immer noch „gekleckelt“ werden kunstvolle Bilder, Christbaumschmuck, Einsätze für Tischdecken, Vorhänge und Bettwäsche, Bordüren, Tischdecken, Blusenkragen Zierdeckchen u.v.m. Mit etwas Glück finden Sie auf einem der regionalen Kunsthandwerkmärkte feinste Spitzenware aus regionaler Handarbeit oder können bei einer Vorführung zusehen, wie die kunstvollen Werke entstehen.

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